Pflegestufe 0

 

 

 

Voraussetzungen für Pflegestufe 0 bis 31.12.2016

 

Für die Einstufung in die Pflegestufen 1, 2 und 3 musste ein zeitlich bestimmter Bedarf zur täglichen Grundpflege und zur hauswirtschaftlichen Versorgung bestehen. Bestand ein Bedarf zur Grundpflege, der jedoch für die Einstufung in Pflegestufe 1 nicht ausreichend war, so waren die Voraussetzungen für Pflegestufe 0 gegeben. Der Umfang des Hilfsbedarfs für die Grundpflege war nicht entscheidend.

 

 

Zudem wurden vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Voraussetzungen festgestellt, die auf Dauer zu einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz führten. Diese Voraussetzungen wurden im Gesetz festgehalten und betrafen Personen

 

  • mit Weglauftendenz
  • die gefährliche Situationen nicht erkennen oder verursachen
  • die unsachgemäß mit gefährlichen Gegenständen und potenziell gefährdenden Substanzen umgehen
  • die tätlich oder verbal aggressives Verhalten an den Tag legen
  • die unfähig sind, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen
  • die im situativen Kontext inadäquates Verhalten zeigen*
  • die unfähig sind, therapeutische bzw. schützende Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten

Depression oder Angststörung wahrzunehmen

  • mit Störungen der höheren Hirnfunktionen (Gedächtnisverlust, herabgesetztes Urteilsvermögen)
  • mit gestörtem Tag-/Nacht-Rhythmus

 

 

  • die unfähig sind, den Tagesablauf zu organisieren
  • die inadäquat in Alltagssituationen reagieren
  • mit labilem oder unkontrolliert emotionalem Verhalten
  • die zeitlich überwiegend niedergeschlagen, hilflos und hoffnungslos aufgrund einer therapieresistenten Depression sind.

 

Entscheidend für die Einstufung in Pflegestufe 0 war der tatsächliche Hilfsbedarf. Relativ wahrscheinlich waren die Voraussetzungen für diese Form der Pflegebedürftigkeit erfüllt, bei

 

  • Demenz
  • Alzheimer
  • Altersverwirrtheit
  • Down-Syndrom (Trisomie 21)

 

 

Erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz

 

Die Alltagskompetenz einer Person galt als erheblich eingeschränkt, wenn ein Gutachter mindestens zwei der oben genannten Punkte als dauerhaft erfüllt sah. Dabei musste sich mindestens eine Einschränkung aus einem der ersten neun Punkte der Liste ergeben.

 

Wann waren die Bedingungen für die oben genannten Voraussetzungen erfüllt?

 

Weglauftendenz:

 

Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereichs. Sucht seine Kinder, möchte zur Arbeit, läuft planlos in der Wohnung umher.

 

Verkennen und Verursachen gefährdender Situationen:

 

Unkontrolliertes Laufen im Straßenverkehr, Verlassen der Wohnung in unangemessener Bekleidung. Trocknen der Wäsche im Backofen, Vergessen des Ausschaltens von Bügeleisen und Herd, unkontrolliertes Aufdrehen von Gasanschlüssen, Essen von Zigaretten und verdorbenen Lebensmitteln, unangemessener Umgang mit Medikamenten etc.

 

Tätliche oder verbale Aggressionen:

 

Zerstörung von eigenem oder fremden Eigentum, Selbstverletzung, grundloses Beschimpfen und Verletzen Dritter

 

Im situativen Kontext inadäquates Verhalten:

 

Koten und Urinieren in der Wohnung, starker Betätigungs- und Bewegungsdrang (ständiges An- und Auskleiden, Nesteln, Zupfen etc.), Essen und Verschmieren von Kot, exhibitionistisches Verhalten, sexuelle Belästigung Dritter, Sammeln von Gegenständen auch von Dritten (Unterwäsche, Speisereste, Geld), permanentes, grundloses Schreien.

 

Wahrnehmung körperlicher und seelischer Gefühle und Bedürfnisse:

 

Mangelndes Durst- und Hungergefühl, mangelndes Schmerzempfinden, mangelndes Empfinden von Harn- und Stuhlgang, Unfähigkeit Schmerzen zu lokalisieren und mitzuteilen.

 

Fehlende Kooperation bei therapeutischen Maßnahmen bei therapieresistenter Depression und Angststörung:

 

Apathisches Im-Bett-liegen-bleiben, Antriebslosigkeit, einen Platz wieder zu verlassen, Nahrungsverweigerung, absolut passives Verhalten, keine Chance der Aktivierung durch Dritte.

 

Die Therapieresistenz einer Depression oder Angststörung muss hierbei durch einen Facharzt gesichert sein.

 

Störung der höheren Hirnfunktionen:

 

Erkennt vertraute Personen nicht, kann sich verbal nicht ausdrücken, kann mit Geld nicht umgehen, findet sich in der Wohnung nicht mehr alleine zurecht, kann Absprachen nicht einhalten und kann sich nach kurzer Zeit nicht mehr an solche erinnern.

 

Inadäquates Verhalten in Alltagssituationen:

 

Angst vor dem eigenen Spiegelbild, Verfolgungswahn von Personen aus dem Fernsehen, Essensverweigerung wegen Vergiftungswahn, optische und akustische Halluzinationen, Sprechen mit Nichtanwesenden, Glaube an Verschwörung diverser Personen gegen sich selbst etc.

 

 

 

Die Pflegestufen 0,1,2 und 3 werden seit dem 01.01.2017 durch die Pflegegrade 1-5 ersetzt.

 

 

 

 

Quelle: http://www.pflegeverantwortung.de/pflegestufen-eins-zwei-drei/pflegestufe-null/2-voraussetzungen-bei-pflegestufe-null.html